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Die Solarthermie als tragende Säule der Energiewende PDF Drucken E-Mail

Im Herbst 2013 wurde das Klimaschutzkonzept (KSK) für den Landkreis Landsberg im Kreistag vorgestellt und kurz darauf veröffentlicht.

Dort finden sich die ungenutzten Potentiale an regenerativen Energien im Landkreis und besonders hervorstechend das sehr hohe ungenutzte Potential der Nutzung von solarer Strahlung zur Gewinnung von Wärme auf Seite 68:

Dieses Potential muß unbedingt und mit großem Nachdruck erschlossen werden. Dies wird aber nur gelingen durch Einbeziehung sehr vieler Akteure.

Weshalb nun ausgerechnet die Solarthermie?

Laut Aussage von Dr.Harry Lehmann (UBA) ist die Solarthermie eine der 7 tragenden Säulen einer nachhaltigen Energieversorgung. Leider wird sie regelmäßig unterschätzt was ihre Leistungsfähigkeit anbelangt.
Die solare Einstrahlung in Landsberg beträgt 1168 kWh pro m² und Jahr. Was kann man – also der Laie – sich nun darunter vorstellen?

Ein Liter Öl oder 1m³ Erdgas enthält zum Vergleich ca. 10 kWh (thermisch).
Also erhalten wir eine eingestrahlte Energiemenge (die Lichtquanten sind praktisch 100% Exergie, also frei verfügbare und arbeitsfähige Energie!) von rund 110 Liter Öl pro m² Boden und Jahr. Hochgerechnet auf den Grund der Stadt Landsberg sind dies 58.000.000 mal 110 = 6.380.000.000 l Öl Äquivalent, also mehr als 6 Milliarden Liter! Als Würfel dargestellt bräuchte man für diese Menge einen kubischen Tank mit einer Kantenlänge von 1855 m. Dies sollte wohl doch eine ganze Weile zum Heizen reichen – oder? Wohlgemerkt: ich spreche hier von Heizenergie und nicht von der Erzeugung von warmem Wasser zum Baden und Duschen.

Zum Vergleich liegt unser gesamter Wärmebedarf im Landkreis bei sehr viel weniger:

-> zu finden auf Seite 34 des KSK

Daß man mit Solarthermie ganzjährig und sogar mit 100% Deckungsgrad heizen kann ist bereits seit 30 Jahren bewiesen (vgl. Solarpionier Josef Jenni in der Schweiz). Im Gegensatz zum Strom kann man nämlich aufgeheiztes Wasser über Monate hinweg saisonal mit nur geringen Verlusten speichern. Man sammelt das Überangebot an Strahlungswärme im Sommer und benutzt die Wärme im Winter. Sinnvollerweise – um den Speicher nicht sehr groß und sehr teuer werden zu lassen – sollte man dafür aber ein zumindest gut gedämmtes Haus besitzen. Passivhaustandard muß hingegen nicht unbedingt erfüllt werden. Je schlechter der Dämmstandard desto geringer fällt ganz einfach die sog. solare Deckungsrate aus. Ab einer Deckungsrate von 50% spricht man von einem Sonnenhaus. Von diesen Sonnenhäusern befinden sich mittlerweile auch ein rundes Dutzend im Landkreis und können bei passenden Gelegenheiten auch besichtigt werden. Der Restwärmebedarf bei diesen Häusern wird idealerweise ebenfalls mit gespeicherter Sonnenenergie in Form von Holz o.ä. abgedeckt. Dies garantiert CO2-Emissionswerte (und auch Ökobilanzen) die praktisch nicht mehr zu unterbieten sind. Die Kosten für solche Anlagen sind weniger astronomisch als zunächst zu vermuten ist. Anstelle von Brennstoffkosten treten dann eben Kapitalgebundene Kosten. Man gewinnt im Gegenzug die Sicherheit im Falle explosiver Kostensteigerungen bei Brennstoffen (wie etwa im Jahre 2008) nicht oder nur sehr wenig davon berührt zu werden. Jede Kostensteigerung bedeutet automatisch eine Erhöhung der Rendite für die getätigte Investition, ganz im Gegensatz zur Photovoltaik. Dort wird über die Inflation (=Preissteigerung) die sog. Einspeisevergütung schleichend aufgezehrt und die reale – also auf die Kaufkraft bezogene – Rendite sinkt somit. Die Sonne scheint für jeden ohne eine Rechnung zu schicken (nach Franz Alt) und es wird auch nie einen Kampf geben um Einspeisevergütungen (wie bei PV) oder gar um die Beteiligung an Kosten irgendeines Netzausbaus. Eine Besteuerung dieser Energienutzung erscheint vollkommen undenkbar. Sie muß lokal vor Ort erzeugt und auch verbraucht werden. Nahwärmenetze sind jedoch möglich und werden sogar im deutlich sonnenärmeren Dänemark häufig genutzt.

Weil LENA ein lokal agierender Verein ist suchen wir nach Fallbeispielen aus dem Landkreis die dazu anregen und ermuntern sollen endlich die eigene alte Ölheizung auf den Müllplatz der Geschichte zu werfen, denn da gehören sie alle (ohne Ausnahme) hin. Es gibt thermodynamisch nicht dümmeres als mit dem kostbaren Stoff aus Erdöl ausgerechnet Niedertemperaturwärme zu erzeugen.

Möge mein eigenes Beispiel einen bunten Reigen aus konkreten Lösungen eröffnen und somit gezeigt werden, daß es geht und auch real bezahlbar ist.

Die Beschreibung meiner eigenen kleinen Solaranlage (Baujahr 2008) mit nur 10 m² Kollektorfläche aber immerhin bereits 47% solarer Deckungsrate befindet sich hier:

http://www.buttner.name/index.php?n=Main.Solarthermie

Dort ist auch der jeweils aktuelle Betriebszustand der Anlage verlinkt :

Heute würde ich die Anlage deutlich größer bauen. In einer der beiden Garagen wäre Platz für einen semi-saisonalen Speicher mit etwa 6 m³ Fassungsvermögen. Auf dem Dach der Garage könnte man statt 10 m² Kollektorfläche auch die doppelte Absorberfläche installieren. Damit müßte 70% solare Deckungsrate erreichbar sein und das Haus aus dem Baujahr 1954 wäre damit ein echtes aktuelles Sonnenhaus.

Mein Vortrag zum gleichen Thema an der VHS ist hier zu finden:

http://buttner.name/Berater/uploads/LENA_Präsentation_VHS_F5602.pdf

Einen kurzen Film über das Heizen mit der Sonne findet man beim Bundesverband für Solarwirtschaft (BSW).

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In letzter Zeit wird immer wieder behauptet, daß man doch auch mit "billigem" Strom aus einer PV-Anlage in Verbindung mit einer Wärmepumpe heizen könne.

Den Beweis dafür sehe ich allerdings noch nirgendwo. Denn was dabei sehr gerne unterschlagen wird ist schlicht das saisonale Problem:

Ich wäre dankbar wenn mir jemand das Gegenteil aufzeigen könnte!

Ihr

Wolfgang Buttner

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 19. Dezember 2014 um 21:56 Uhr